Sozialpädagogische Pflegefamilie – Haus Jordan

  • Anschluss an die Familie und das Leben in der Familie
  • Abgrenzung gegen äußere Personen (falls notwendig)
  • privater Lebensraum - Beziehungen und umgrenzter Lebensraum (Sicherheit)
  • Nachhaltigkeit - aus wechselseitiger Bindung, Verpflichtung und Zielerreichung
  • Unterstützung in schulischen oder beruflichen Angelegenheiten
  • therapeutische und psychologische Beratung (bedarfsorientiert)
  • Platz für 4 Pflegekinder/Jugendliche von 14 - 21 Jahren oder junge Erwachsene von 18 - 25 Jahren

Ansprechpartner

Gaby Funk
gaby.funk@oikos-eupen.be

Johannes Funk
johannes.funk@oikos-eupen.be

  Ausführliche Informationen …

Der Gedanke, eine sozialpädagogische Pflegefamilie zu gründen, begleitete uns schon lange. Seit 1989 ist Haus Jordan fester Bestandteil der sozialen Jugendarbeit von oikos.

In verschiedenen Zusammensetzungen, als Wohngemeinschaft (1989 – 1994) und ab 1994 als Familie mit zusätzlichen ehrenamtlichen Mitarbeitern, hat die Gemeinschaft Jugendliche in unterschiedlichen Notsituation aufgenommen und begleitet.

Wichtig ist uns dabei, unsere Ideen und persönlichen Voraussetzungen stets im Auge zu behalten und anhand von teils vorgegebenen Rahmenbedingungen ein Konzept zu entwerfen. – Das daraus entstandene Konzept entspricht einer sozialpädagogischen Großfamilie.

 

Über uns

Gaby Funk

Dipl. Sozialarbeiterin, Zusatzausbildungen in:

  • Systemischer Ansatz in der Sozialarbeit nach Lüssi
  • Buchhaltung
  • Abschluss der Musikakademie

Johannes Funk

Dipl. Theologe, Abschluss in den Geisteswissenschaften Theologie, Philosophie und Psychologie.

Familie Funk hat vier eigene Kinder, wovon z. Zt. drei Kinder noch im Haushalt leben. Neben dem Leiterehepaar helfen situativ weitere MitarbeiterInnen ehrenamtlich mit.

Das Haus

Haus Jordan befindet sich am Stadtrand von Eupen, in dem kleinen Weiler Nispert. Dieses kleine dorfähnliche Wohngebiet liegt 5 Minuten vom Stadtzentrum Eupen entfernt und ist zu Fuß, wie auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar.

Das Haus ist Bestandteil der sozialen Einrichtung oikos VoG.

Ausstattung

Haus Jordan verfügt über

  • 11 Schlafzimmer,
  • 2 Badezimmer,
  • 1 Küche,
  • 1 Wohnzimmer,
  • 1 großer Wintergarten,
  • 1 Fernsehzimmer,
  • 1 Freizeitraum,
  • 1 Büro und
  • die üblichen Nebenräume.

Zum Gesamtkomplex gehören ebenfalls

  • eine große Halle, die zur Hälfte als Freizeitraum für die Jugendlichen dient (mit einer Half-Pipe für Skater-, Roller- und BMX-Fahrer, sowie einem großen Trampolin), der andere Teil der Halle dient als Kleinmöbellager und Unterstellplatz,
  • einer Werkstatt,
  • einem Fahrradkeller und
  • einem Hallenraum (dient als Brotküche für Minderbemittelte: zwei große Tiefkühltruhen mit Brot zur kostenlosen Verteilung).

Wir nehmen aktiv am Dorfgeschehen teil, sind weltoffen und an fremden Kulturen interessiert. Das gesellschaftliche Leben, von der eigenen Familie bis zum politischen Geschehen, bilden einen festen Bestandteil in unserem Alltag.

Begleitstruktur und Zielgruppe

Die sozialpädagogische Pflegefamilie Haus Jordan bietet zu den eigenen Kindern, Platz für vier Pflegekinder/Jugendliche ab 14 Jahren (max. bis 21 Jahren im Rahmen der Verlängerung einer Jugendhilfemaßnahme), die alle zusammen ein Haus bewohnen.

Von diesen Plätzen ist ein Platz als Notaufnahme-Stelle in Krisensituationen vorgesehen. Die Hauptaufgabe in der Krisenintervention besteht darin, die betroffenen Jugendlichen zu betreuen, sie zu beruhigen und ihnen den nötigen Schutz zu gewähren. Langfristige Erziehungsziele werden nicht verfolgt.
In der mit zwei Wochen (in Ausnahmefällen bis zu vier Wochen) begrenzten Zeit der Krisenpflege haben die zuständigen Dienste Zeit und Raum für die Planung von Zukunftsperspektiven und Weiterführung der Angelegenheit.

Es können auch Aufnahmen von jungen Erwachsenen stattfinden (bis max.26 Jahren), die aus unterschiedlichen Gründen nicht alleine oder in ihren Herkunftsfamilien leben können (psych. Erkrankungen, Magersucht …). Hierfür ist eine Notaufnahmebescheinigung oder eine Begründung einer anderen Instanz, z. B. Klinik, ÖSHZ …, erforderlich.

Bei Neuaufnahmen darf die Entwicklung der bereits aufgenommen Jugendlichen und der eigenen Kinder der Familie nicht gefährdet sein.

Die Jugendlichen sollen auf Grund der vorherigen Abklärung für das Zusammenleben in einer Familie geeignet sein und es soll die Aussicht bestehen, dass sie in ihre Familie wieder integriert werden können, oder, je nach Alter und Situation, in ein selbstständiges Leben begleitet werden können.

Ein klares Ausschlusskriterium für eine Aufnahme ist Drogenkonsum und Gewaltbereitschaft.

Unsere Ziele und Aufgabe

Gemeinsam mit den Jugendlichen wollen wir ein Teil unseres Lebensweges gehen. Dabei ist unser Ziel, die Jugendlichen unterstützend zu Selbstständigkeit und zur Integration in die Gesellschaft zu begleiten. In einem familiären Rahmen, der ihnen Sicherheit und Schutz bietet, wachsen sie zu Persönlichkeiten heran. Die Beziehungen können auch nach dem Verlassen der Familie weiter bestehen. In diesem Sinne kann unsere Funktion als beständige Bezugspersonen andauern.

Durch das längerfristige Zusammenleben möchten wir das Gemeinschaftsgefühl fördern (Hausgemeinschaft, unsere Verwandtschaft, Freundeskreis, Dorfleben, Vereine…). Beziehungen können wachsen. Die Übernahme von Verantwortung wird erprobt, Rücksichtnahme und Toleranz werden als soziale Werte erkannt. Wir möchten dem Jugendlichen einen Raum mit vielfältigen Identifikationsmöglichkeiten bieten.

Wir unterstützen die Jugendlichen bei der Entfaltung ihres Potentials. Die persönlichen Grenzen sollen sie erfahren und akzeptieren lernen.  Es ist uns wichtig Konflikte zuzulassen und sie in einem konstruktiven Rahmen auszutragen. Den Erwerb von Lebenskompetenz fördern wir bewusst, indem wir die erforderlichen Rahmenbedingungen individuell angepasst schaffen (nach Möglichkeit). Wir unterscheiden dabei zwischen lebenspraktischen, sozialen und kognitiven Bereich.

Jedes Mitglied der Hausgemeinschaft hat seinen festen Platz. Es nimmt Einfluss auf unser Zusammenleben und folglich übernimmt es entsprechend seinen Fähigkeiten und seiner Bereitschaft Verantwortung für die ganze Gemeinschaft und sich selber. Zu Entscheidungen, die alle betreffen, haben die Jugendlichen, sowie die eigenen Kinder der Familie Mitspracherecht. Die Entscheidung liegt bei dem Leitungspaar. Bei Entscheidungen, die den einzelnen Jugendlichen betreffen, streben wir die Selbstbestimmung an.

Die Zusammenarbeit mit der Herkunftsfamilie (unter Berücksichtigung der Jugendhilfemaßnahme) ist uns ein wichtiges Anliegen. Die Jugendlichen sollen sich mit ihrer Geschichte auseinandersetzen und erfahren, dass wir ihnen Eltern mit Wertschätzung begegnen.
Der Zusammenarbeit mit der Schule, Lehrstelle und weiteren Fachpersonen messen wir eine zentrale Rolle zu.

Die Hinführung zu therapeutischen und psychologischen Beratungsgespräche (bei Bedarf) außerhalb des Hauses, sehen wir als selbstverständlichen Bestandteil unserer pädagogischen Arbeit an.

Aufnahmeverfahren

  • Erste Kontaktaufnahme der zuweisenden oder behandelnden Instanz (Jugendhilfedienst, Jugendgerichtsdienst, ÖSHZ, Eltern, SPZ, Klinik..) – telefonisch oder schriftlich.
  • Kontaktbesuch des Jugendlichen bei uns.
  • Wir erhalten Einsicht in die Unterlagen des aufzunehmenden Jugendlichen.
  • Wenn die Situation es erfordert, kann eine Schnupperwoche vereinbart werden.
  • Bei Übereinkunft – Zustellen des Pflegevertrages seitens des Jugendhilfedienstes oder des Gerichtsbeschlusses bei Gerichtsakten.

Bei Platzierungen von Jugendlichen über 18 Jahren wird in Zusammenarbeit mit dem Jugendlichen und dem zuweisenden Dienst ein Betreuungsvertrag ausgearbeitet. – Dieser Vertrag sollte folgende wesentlichen Punkte enthalten:

  • Darlegung des Ziels und der geschätzten Dauer der Unterbringung,
  • Teilziele und Aufgaben, die in Angriff genommen werden sollen,
  • Bedingungen, welche von den Eltern für eine eigene geplante Rückkehr des Jugendlichen in ihrem Haushalt erfüllt sein müssen,
  • Regelung der Kontakte zwischen dem Jugendlichen und der Herkunftsfamilie o. a. Begleitstrukturen.

Schlusswort

Das vorliegende Konzept ist eine neue Fassung nach fast 25-jähriger Tätigkeit in verschiedensten Konstellationen. Bei der Umsetzung in die praktische Arbeit wurden unsere Ideen und Träume den Tatsachen angepasst. Es hat sich gezeigt, was sich davon verwirklichen lässt und was nicht. Wichtig erscheint uns, dass wir unserer Arbeit einen strukturierten Rahmen gegeben haben, der es uns ermöglicht, unser Handeln zu überdenken und neu auszurichten.